Basis-Zahnmedizin
im afrikanischen Busch - Notizen aus Namibia
Umfassender
Bericht von 1997 zu lesen am Ende dieser Einsatzberichte
Das Kollegenpaar
Dres. Cornelia & Joachim Fischer waren 2011
zum dritten Mal in Dornfeld
wo sie sich fast schon zuhause fühlen. Dieses Mal bekamen sie
das schönste Zimmer, das ihnen die "sisters of immaculate
conception" zur Verfügung stellen konnten. Sie widmeten
sich wieder stark der Individualprophylaxe, wobei auch Plaquefärbemittel
eingesetzt wurde - ein Procedere, das, obwohl Kassenleistung, nicht
einmal in allen deutschen Zahnarztpraxen zum Tragen kommt, Über
deren Charity-Job 2010
gibt es im KURIER AM SONNTAG, vom 25.7.10 auf Seite
2 ein aufschlussreiches
Interview.
Nach den Fischers
übernahmen 2011
Dr. Peter Schöner aus Bottrop und seine Frau Anne
den Charity-Job in Aminuis und Epukiro.
neueste
Blog Adresse: peters-touren.de
Hier deren
verkürzter Bericht:
Die zur
Jahreswende 2010/2011 aus Deutschland per Schiffscontainer angelieferten
Denalgeräte hatten allesamt technische Mängel. So war
das Improvisationstalent der beiden "Newcomer" gefordert,
was offenbar die Freude an Ihrer Arbeit kaum schmälerte!
"Wir
wurden (in Aminuis) herzlich von den Schwestern
Jutta, Ansgardis und Rosa Maria empfangen ...
dass der OP-Stuhl nur von der Helferinnenseite aus zu bedienen war
... auch die OP-Leuchte war nicht funktionsfähig
... kam die gute alte Kopflampe zum Einsatz.
Obwohl
von zuhause her mit der Gruppenprophylaxe gut vertraut "habe
ich mich auf die Individual-Prophylaxe geworfen".
Aufgrund der Entsendung von zwei Behandlerteams war
auch ausreichend Zeit dafür zur Verfügung:
"Es
war überwältigend. Bei den Kontrollen nach 2 oder
3 Tagen waren alle Gebisse, bis auf 2 - 3, in einem hervorragenden
Zustand ... Dazu kam, dass die Kinder äußerst
erfreut und stolz waren, wenn ich die deutlichen Verbesserungen
bemerkte und sie dafür lobte. ... und (sie)
besonders stolz darauf seien, dass ihnen persönlich diese Dinge
nahe gebracht wurden.
"Nun
haben wir auch die Arbeit in Epukiro hinter uns gebracht
... Leider waren nicht mehr genug Handschuhe in meiner Größe
(Kollege Schöner ist 1,95 m)
da, da ja die Kiste, in denen die meisten Packungen waren, verschwunden
war. Ich hatte daher leichte Verkrampfungen gegen Mittag und Abend
in den Händen, weil die viel zu kleinen Handschuhe alles zusammenpreßten"
"
... Gott sei Dank hatten wir Simon von Aminuis als Fahrer und Helfer
mit bekommen ... kamen also in Epukiro an und standen da,
wie der Ochse vorm Berg, obwohl vorher von Dornfeld aus angerufen
worden war ... Pater (Raimund) beim Mittagsschlaf
und Bruder John ausser Haus ...
Die OP-Leuchte
konnte nicht angeschraubt werden, da die Bohrungen am extra angefertigten
Stuhladapter nicht mit den Bohrungen am OP-Stuhl fluchteten. Der
Reflektor der Op-Leuchte war zerbrochen, der Traytisch konnte nur
provisorisch befestigt werden, da der passende Sechskantschlüssel
fehlte.
"Der
Autoclav arbeitet einwandfrei, ist aber "inkontinent"
... mußten wir auf gefiltertes Regenwasser zurückgreifen
... die 2 Kanister Aqua dest (10 Liter !!) reichten
nicht aus.
"Leider
war auch hier wieder etwas mit den Zahnbürsten schief gelaufen.
Pater Raimund hatte zwar 1000 Bürsten bekommen ...
nicht an die Schule weiter gegeben, sodass die meisten der Kinder
aus dem Ort keine Bürste hatten". ...."So
schafften wir es bis zum Abend 286 Kinder (die PrePrimary eingeschlossen)
zu untersuchen."
"Und
hier (in Epukiro) geschah etwas, was wir bisher noch nicht
erlebt hatten, größere Jungen fingen an zu heulen, wenn
man nur an den Mund kam. Die Mädchen zeigten sich wesentlich
tapferer." ...."Ich
wollte den Behandlungsstuhl verstellen, um Füllungen im Oberkiefer
zu machen. Leider keine Funktion."
"Am
Freitag (der letzte Tag) kam dann auch noch der Kindergarten.
36 Stöppken, mehr oder minder süß. Sie bekamen jeder
eine Kinderzahn-bürste mit dickem Griff und kleinem Kopf, die
mir von den Fischers überlassen worden waren." ...
"wollten eigentlich nach dem Abendessen weiter machen (mit
Aufräumen und Verpacken). Da kam jedoch (der schüchterne)
Pater Raimund auf die Idee, wir könnten uns doch bei einem
Fläschchen Bier noch zusammensetzen. So trafen wir uns also
das erste Mal im Fernsehzimmer. Bruder John stellte sich als lustiger
Plauderer heraus, bei dem man nur darauf achten muss, welche Sprache
er gerade benutzt - Afrikaans, Deutsch oder Englisch. Manchmal auch
kunterbunt durcheinander."
"Zusammenfassend
möchte ich sagen, dass uns die Arbeit sehr viel Spass gemacht
hat. Die strahlenden Blicke der Kinder, wenn sie dann festgestellt
hatten, dass es garnicht so schlimm war und auch die freundliche
Aufnahme durch die Schwestern halfen über die kleinen Mißlichkeiten
hinweg"
Peter Schöner,
11. 04. 2011 (per mail aus Dornfeld)
Zahnärztlicher
Charity-Job in Aminuis und Epukiro mit Hilfe der transportablen
Koffer-Dentaleinheit: Satelec-Transcare
Dr.
med. Ute Kohlstedt und ZÄ Anne Weikert aus Erfurt im
Juni 2010
Ein Jahr lang hatten wir
unseren zweiwöchigen Einsatz geplant. Am 23.05.2010 war es
dann endlich soweit .....In Dornfeld wurden wir herzlich von Sr.
Angela begrüßt ...
Zwei
große Alukisten, ein großer Koffer, sowie Kartons mit
2000 Zahnbürsten warteten auf ihren Einsatz.
Die mobile Dentaleinheit
hatten wir im Flugzeug mitgebracht.
Elias
fuhr uns mit übervollem Auto nach Aminuis,
wo uns die betagten Sr. Ansgardis
und Sr. Jutta herzlichst begrüßten.
Die per Container vorrausgeschickten Geräte: Autoclav und Behandlungsstuhl
wurden ausgepackt, aufgestellt, die Behandlungsleuchte verkabelt
und "Transcare" auf unserer großen Alu-Transportkiste
aufgebaut. Der uns zugeteilte Raum verwandelte sich somit in eine
kleine Zahnambulanz und einem guten Behandlungsstart stand nichts
mehr im Wege.
535 Kinder wurden untersucht,
ein jedes erhielt eine Zahnbürste, 85 mußten behandelt
werden. Eine große organisatorische Hilfe waren die Schwestern
Ansgardis und Jutta, sowie die Erzieher/in Johanna und Elias. Nach
den Behandlungstagen gingen wir zum nächsten Teil unserer Arbeit
über:
Mit Zahnputzhund und großer
Zahnbürste, Zahnputzanleitungen und Zahnputz-uhren gingen wir
in die einzelnen Kindergruppen, um sie mit der Prophylaxe vertraut
zu machen. Sr. Ansgardis und das Erzieherteam waren auch dabei.
Eine bemerkenswerte Ruhe
und Aufmerksamkeit vom kleinsten bis zum größten Kind
bis hin zu den Erwachsenen begleitete unseren Vortrag mit anschließender
Putzdemonstration.
Beim
gemeinsamen Zähneputzen in den Waschräumen konnten wir
die große Begeisterung für das Gelernte feststellen.Es
war großartig!!!!
... Elias fuhr uns
zum nächsten Einsatzort Epukiro,
wo uns Sr. Monica erwartete. Es wurde wie in Aminuis
der neu angelieferte, aber leider zu kleine Autoclav und der Behand-lungsstuhl
mit Stativleuchte ausgepackt, aufgestellt und mit Hilfe des Transcare-Koffers
die Zahnambulanz eingerichtet.
321 Kinder wurden untersucht
und mit einer Zahnbürste beschenkt. 33 Kinder mußten
behandelt werden. Nachdem wieder alle Instrumente und Verbrauchs-Materialien
versorgt waren erfolgte das selbe Prophylaxe-Procedere wie in Aminuis.
Aufs Neue erstaunt folgten alle Kinder unseren Putzanweisungen sehr
aufmerksam.
Voller
Stolz konnten einige Kinder das Erlernte am Zahnputzhund vorführen
u n d in Afrikaans kommentieren!
Der Charity-Job war arbeitsintensiv,
aber sehr dankbar. Er wird uns bei unserer weiteren Arbeit in unseren
Praxen stets begleiten.
P.S. Besonderer
Dank gilt Ute´s Mann, Uwe, der einen Behandlungsstuhl
mit
Op-Leuchte und Autoclaven
beschafft, verpackt und zum Missionsprokur nach Borken-Burlo sandte,
von wo die Afrodent-Paletten nach Namibia verschickt wurden.
Arbeitsbericht
Missionsschule Dornfeld vom April 2010
Zahnärzte
Dres. Cornelia Leuer-Fischer & Joachim Fischer, Kleve
(gekürzte
Version, sw)
Herzlicher Empfang, wie
vor drei Jahren. Von Sr. Klara und Sr.
Angela erhielten wir eine sehr schöne Unterkunft im
" Klarahaus ". Es wurde gerade ein Jubiläum
gefeiert mit Aufführungen und Tänzen von Schülern.
Herzliches Wiedersehen mit dem Erzbischof von Windhoek,
den wir schon 2009 in unserer Praxis kennenlernen durften. Nach
dem Erwecken der Zahnstation aus dem Dornröschenschlaf ging
es am nächsten Morgen zeitig los mit den Reihenunter-suchungen
von 908 Schülern aus Primary-und Highschool. Hostelmutter
Maria hatte die lärmende Kinderschar gut im Griff.
Nach den Untersuchungen ging es nahtlos weiter mit der Behandlung
von 141 Kindern: Die Kinder wurden mit kleinen Geschenken belohnt.
Der Renner - wie immer - die Luftballons.
In der behandlungsfreien
Zeit wurde Material sortiert und die Füllungsmaterialien, die
mit Ablauf des Jahres verfallen würden, an die Zahnambulanz
des Hospitals von Gobabis, wo Sr. Bernadette arbeitet,
gegeben. Das war eine große Freude, weil dort gerade einige
Materialien fehlten.
Zahnputzanweisungen
haben wir immer mit der Frage nach dem Besitz einer Zahnbürste
begonnen - dadurch erübrigte sich manches von selbst. Allgemein
ist der Zustand der Zähne relativ gut, was wir auf die von
Afrodent organisierten Arbeitseinsätze zurückführen.
Den Lehrkräften der
Primary School haben wir von uns gestaltete Zahnputzflyer und Zahnbürsten
übergeben, mit der "verschärften" Bitte, diese
im Unterricht einzusetzen - man zeigte Interesse und sicherte Umsetzung
(was leider nicht geschah, that´s Africa, sw).
Am 23.04 ging es zurück
in unsere doch so technisierte heimische Welt.
P.S. besonderer
Dank!
Aus Spenden hatte das
Ehepaar Fischer Schreibutensilien für die Primary School u.
anläßlich der Fußball-WM in Südafrika Trikots
u. Fußbälle mitgebracht. Paula, die Sportlehrerin hat
daraufhin sofort auch eine Mädchenmannschaft aufgestellt
(die nur wenige Wochen
existierte - that´s Africa - sw)
Die
beiden nachfolgenden Berichte schildern in laienverständ-licher
Form die dortigen Verhältnisse - Steffen Wander
Charity-Job
in Namibia, 29. März bis 10. April 2009
Meine Frau
Christel (zahnmed. Laie) und ich waren schon 1997 (siehe
unten )
in den R.C.
Missionsschulen von Dornfeld und Aminuis
tätig gewesen. Dieses Jahr war noch Jacky Rodrigues,
aus meiner früheren Praxis, als Dental Hygenist mit von der
Partie, um endlich mal dem vielen Zahnstein bei den Kindern Herr
zu werden! Und das war auch gut so, denn dieses mal sollte erstmalig
auch noch Epukiro mitversorgt werden: summa summarum.
1800 Kinder! Wir hatten glücklicherweise ein neues
Zahnstein-Entfernungs-Gerät
dabei, denn die 2007 in Dornfeld installierte Dentaleinheit
Sirona Fona A1 hatte unerwarteterweise gar kein ZEG. Air
Berlin hatte wieder kostenfrei 30 kg dentalmedizinisches
Equipment transportiert.
Die vom namibischen Gesundheitsministerium seit einigen Jahren angeforderten
Nachweise von Approbation, Englischkenntnissen,
des „good standing“, ein polizeiliches
Führungszeugnis und der Nachweis einer langjährigen
Berufserfahrung waren ins Englische übersetzt
und beglaubigt worden und bereits mit dem Postweg unterwegs nach
Windhoek zum Roman Catholic Health Service.
Diese "deutschsprachige" Organisation wollte sich um as
"permit", die Arbeitserlaubnis kümmern: „Fliegen
Sie schon mal los, wir besorgen Ihnen derweil das permit“,
hieß es. Auf dem hochoffiziellen, direkten Weg übers
Ministerium könnte das ein dreiviertel dauern – wenn
überhaupt ...
Mit 21
Stunden Verspätung kamen wir ziemlich erschöpft um 4.30
Uhr in Windhoek an, was uns die Zollformalitäten ersparten,
da alle Beamten endlich nach Hause wollten. Thats Africa! Zwei Angestellte
aus unserer ersten Einsatzstelle, die ebensolange hatten ausharren
müssen brachten uns nach Dornfeld, zu den 1080 Kindern, wo
wir sofort nach dem Frühstück die Zahnstation einsatzfähig
machten, um nach dem Mittagessen mit den Untersuchungen beginnen
zu können.
Das mitgebrachte
ZEG-Gerät war eilends auf dem Schwebetisch des neuen Fona A1-Gerätes
installiert. Die Wasserzufuhr erfolgte mit Hilfe eines Infusions-besteckes
und einer Cola-Flasche, die am Schwenkarm der Operationsleuchte
mit Tesatextilband angeklebt worden war. Seit 2008 existierte ein
Dampfsterlisator und ein Destillierapparat, so fanden wir glücklicherweise
einen Kanister mit 5 Litern destilliertem Wasser vor, wel-ches wir
sofort für das ZEG-Gerät verwenden konnten.
Ich
saß im Vorraum mit Stirnlampe ausge rüstet, breitbeinig
auf einem Stuhl sitzend, daneben unsere große Transportkiste,
als Ablage für die Plastikboxen voller Spiegel und Sonden.
Die Kinder knieten sich auf die von Air-Berlin mitgebrachte Deckenrolle
nieder. Sie stützten sich manchmal mit ihren Händen oder
Ellbogen voll Vertrauen auf meinen Knien ab, um sich in den Mund
schauen zu lassen. Christel gab als Belohnung die mitgebrachten
Luftballons aus, führte Statistik und schrieb Namenslisten
für die Wiederbestellungen und farbige Zettel für: ZahnStein,
Füllung oder eXtrahieren.
Mühsam war es für sie, die für unsere Ohren ungewohnten
Nachnamen zu notieren, denn die „Selbstschreiber“ schrieben
in der Regel nur ihre Vornamen auf und die lauteten dann: Adelheid,
Emma, Naftalia, Sieglinde oder Albert, Eduard, Innocent oder Siegfried.
Die Hausmutter (Matrone genannt) hakte zusätzlich auf der Schülerliste
die Kinder an, die wieder kommen mussten.
Die einfachen Zahnsteinentfernungen wurden gleich an Jacky ins Behandlungs-Zimmer
delegiert, die sich nach Fließband-Manier, die Finger wundarbeitete.
Fürs
Erste“ waren das schon mal ca. fünfzig Zahnstein-Behandlungen.
Interessanterweise waren wieder, wie vor 12 Jahren, meist die vier
Sechsjahrmolaren lingual und die unteren Frontzähne labial
massiv betroffen. Diese subgingivalen Konkremente (schwarzer,
unter dem Zahnfleisch wachsender Zahnstein) entstehen ganz
offensichtlich in der frühen Zahnwechselphase, wenn es dabei
zu Blutungen gekommen war. Demnach müssen sie schon seit vielen
Jahren bestanden haben.
An den ersten beiden Tagen wurden also durchschnittlich
60 Kinder pro Stunde gecheckt. Dieses Untersuchungstempo
ist insofern unproblematisch, da die Gebisse zu 85 % kariesfrei
sind und es de facto keine Approximalkaries gibt (Kontaktkaries
zwischen den Zähnen).

Allerdings muß
das Team gut zusammenarbeiten. Die Kinder müssen in Reihe anstehen
und zügig zur Untersuchung Platz nehmen. Dabei gab es natürlich
auch lustige Momente, z.B. als ich mich (in Aminuis) auf einen Stuhl
stellen mußte um einem besonders großen Kerl
in den Mund schauen zu können. Aber anstren-gend war es trotzdem,
sodass wir, wie an den folgenden 10-Stundentagen jeden Abend erschöpft
zu Bett gingen.
In der Mittagspause vom 30. März mußten wir eine Leckage
der neuen Dentalein-heit beseitigen, was wegen eines Materialfehlers
(mangelhafte Hitzebeständigkeit) der Schläuche leider
missglückte. So verknoteten wir einfach die Schläuche
der Luft-Wasser-Spritze
Bis
Samstag, den 4. April mittags wurden in Dornfeld 140 Kinder zur
Kariesbehandlung und 25 aus kieferorthopädischer Vorsorge zur
Zahnextraktion einbestellt, sowie weitere zwölf für ästhetische
Zahn-restaurationenen, z.B. Vergrößerung von angeborenen
Zapfenzähnen. Für die Entfernung von massiverem Zahnstein
oder subgingivaler Konkremente wurden weitere 90 Kinder behandelt.
Hierzu erwies sich das zweite ZEG im Transcarekoffer als sehr hilfreich.
Sowohl Jacky, als auch Christel bemühten sich diesen Kindern
die Grundzüge der Reinigung mit einer Zahnbürste zu vermitteln.
Am Abend des 31. März musste der dicke Absaugschlauch im Anschlußkasten
neu verlegt werden, da er geknickt war und sich bei Erwärmung
selbst immer zusammenzog. Als diese Arbeit endlich erledigt war
brach auch noch der Absperrhahn für die Wasserzufuhr auseinander
und es dauerte fast eine halbe Stunde bis jemand zur Stelle war,
der den im Sande vergrabenen Hauptabsperrhahn gefunden hatte. In
der Zwischenzeit schaufelten wir wie verrückt etwa 20 Eimer
voll Wasser aus dem Fenster hinaus, da das neue, teure Dentalgerät
abzusaufen drohte.
In der Mittagspause vom 3. April gönnten wir uns 20 Minuten
am „Theatron“, einem Halbrund mit Sichtschutzwänden
und Swimmingpool. Sehr geeignet auch zum Wäsche aufhängen.
Am Abend des selben Tages hatten wir endlich auch Muße, mit
den Schwestern den Feierabend zu verbringen und Ihnen die Rohversion
unseres selbstgefertigten, auf afrikanische Kinder abgestimmten
Videoclips über Prophylaxe vorzustellen, was sich leider als
völlig untauglich erwies. Laienarbeit eben!
Am 4. April
hielten wir noch eine Vormittagssprechstunde ab, sterilisierten
während der Mittagspause das Instrumentarium und bereiteten
die Gerätschaften für die nächste Aufgabe vor. Nach
einer kleinen Kaffepause im idyllischen Schwesterngarten fuhr uns
Bruder John über 150 km Schotterpiste nach Epukiro,
wo wir spätnachmittags ankamen und den 83-jährigen, rheinländisch-humorvollen
Pater Volk kennenlernten.
Das
Schulgelände ist von vielen kleinen, zum Teil sehr gepflegten
ebenerdigen Häusern mit Gemüsebeeten und Blumenrabatten
umge-ben. Es gibt auch einen
Krankenhausbungalow. Gleich nach Ankunft u. Imbiß improvisierten
wir mit dem Transcare-Dental-Gerät eine Zahnstation.
Etwa
180 Kinder erwarteten uns schon, in Gruppen im Sand sitzend und
waren gespannt auf das Untersuchungszeremoniell. Die Eigenbaunacken-stütze
erwies sich als nützlich, aber verbesserungs-bedürftig.
In Epukiro gibt es leider kein „Hostel“ (Internat).
Alle Kinder wohnen bei ihren Eltern, was deutlich am Hygienezustand
der Zähne zu sehen ist. Die Frage ist, wie man künftig
an alle Schul-kinder zur Mundhygieneaufklärung herankommen
könnte.
Der Folgetag, 5. April, war Palmsonntag und wir besuchten erst die
großartige Liturgie. Wegen der Winterzeit waren die Uhren
offiziell bereits umgestellt. Nicht so aber in Epukiro!
So gewannen wir eine zusätzliche Stunde zum Arbeiten, denn
die Umstellung wurde erst für die Nacht von Sonntag auf Montag
vollzogen, um die Kinder nicht aus dem Trott zu bringen.
Die Nachmittagsbehandlung wurde zu einem großen Ärgernis,
denn keine Schwester, kein Lehrer und keine Schülerliste stand
uns zur Verfügung und so wurde behandelt wer halt so daherkam.
Das wirkliche Durcheinander wurde uns erst bewusst, als zum wiederholten
Male Kinder den Mund aufmachten und wir uns sagten: „verflixt,
dieses Gebiss kennen wir doch schon“. Die Kinder wollten einfach
nochmals einen Luftballon geschenkt bekommen. Ziemlich verärgert
darüber, so allein gelassen zu werden machte ich mich auf die
Suche nach irgendeiner Schwester. Vergeblich! Pater Volk rettete
uns dann aus der misslichen Lage. Allerdings hatte er, trotz einer
kleinen Gerte in der Hand, ziemlich Mühe die wilde Horde vor
der „Zahnstation“ in einen disziplinierten Haufen zu
verwandeln.
Als wir dann gegen 17.30 Uhr unsere Arbeit beendet hatten und die
Gerätschaften für den Montagmorgen versorgten, tauchte
plötzlich die Prinzipalin, die Schulleiterin auf, um ihr Kind
(und auch sich selber?) behandeln zulassen. Angeblich hatte sie
nicht gewusst, dass wir uns zum „dental work“ in Epukiro
aufhielten. Sie hätte uns zwar in der Kirche gesehen, sagte
sie, aber für Touristen gehalten. Dies hat uns sehr, sehr befremdet,
zumal Pater Volk am Ende der Messe die Kirchgänger auf uns
und unseren „charity job“ aufmerksam gemacht und dafür
gedankt hatte und einige Kirchgänger beim Verlassen der Kirche
uns noch dankend die Hände geschüttelt hatten. Uns wunderte
nun nicht mehr, weshalb in Epukiro nur die Hälfte der eingeschulten
Kinder zu uns gekommen war.
Die Abende
verbrachten wir mit Pater Volk und Bruder John bei einigen Flaschen
Bier, (den Schwestern sei Dank!) im Fernsehraum mit Animal Planet
und NBC-Nachrichten.
Am Montagvormittag, 6. April, behandelten wir noch einige Kinder
und verbrachten die Mittagspause am wenig einladenden, mit toten
Insekten übersäten Pool und einem Spaziergang durch das
Dorf. Inzwischen hatte Bruder John bei den Hereros zwar seine Kühe
wieder aufgefunden, aber immer noch keinen reparierten Traktorreifen
und so fuhren wir mit ihm und Pater Volk erst nachmittags wieder
nach Dornfeld zurück. Unterwegs konnten wir eine extrem langsam
über die sandige Piste schleichende Cobra aus allernächster
Nähe beobachten. Im Gras angekommen, wurde sie dann sehr, sehr
schnell. Das hatte Bruder John uns aber schon vorausgesagt.

Abschied von Epukiro
Am Vormittag, des 7. April, nahmen wir in Dornfeld noch
einige Kontrollen und Restbehandlungen vor. Anschließend
wieder Reinigung und Sterilisation des Instrumentariums mit Überprüfung
und Verpackung der Gerätschaften für die nächste
Aktion. Dann ein kurzes Mittagessen. Schwester Ansgardis,
unverändert frisch, wie vor 12 Jahren, erwartete uns schon
für die 200 km lange Pisten-Fahrt nach Aminuis.
Als wir schon abfahrbereit waren, wurden wir nochmals aus dem Auto
gebeten, um in den Speisesaal zu kommen. Dort empfing uns dann ein
tausendstimmiger Chor, als Dank für unser Engagement, und wieder
flossen Tränen, wie 1997. Für jeden gabs noch ein kleines
Abschiedsgeschenk und von mir, auf einem Stuhl stehend, mit einem
Kloß im Hals, noch ein paar Dankesworte für den Abschiedsgesang.
Dann tosendes Kindergejubel und eine Umarmung meinerseits von Schwester
Lucia, die leider kurz darauf an ihrem Herzleiden verstarb. Dann
wurden wir von einer tanzenden Mädchenschar zum Auto begleitet
– und ab ging es nach:
Aminuis. Dort angekommen richteten wir sofort das
Behandlungszimmer ein:
Transcarekoffer
auf dem Kühlschrank, das Instrumen-tarium auf einem mit Plastik-folie
überzogenen Bett. Die Untesuchungen gingen flott voran, da
die Schwestern organisatorisch vorgesorgt hatten. Auch hier in Aminuis
zeigte sich wie in Dornfeld, daß ganze Klassenverbände
mit extrem gepflegten Gebis-sen aufwarteten und andere, deren Mundhygiene
sehr zu wünschen übrig ließ.
Am Mittwochvormittag,
dem 8. April, wurde Jacky Bettruhe verordnet, um antibio-tisch vollgepumpt,
ihre seit vielen Tagen mitgeschleppte Sinusitis auszuheilen.
Trotz der umständlicheren Arbeitsweise mit dem Transcarekoffer
konnte ich hier in Aminuis, wie schon 12 Jahre zuvor, mit meiner
Frau und einer Matrone die Untersuchungen u. Behandlungen streßfrei
durchführen. Das angenehme Umfeld dieser kleineren Station
und die "artigen" Kinder, erleichterte die Arbeit.
Am 9. April, Gründonnerstag-Mittag war die Arbeit getan. Schwester
Ansgardis zeigte uns zu Recht wieder voller Stolz die schöne
Anlage, die Schulräume, die sanitären Einrichtungen und
die wunderbare Trinkwasseraufbereitungs-und Verteilungsanlage, die
das Herz eines jeden deutschen Handwerkers höher schlagen lässt.
Dem gemeinnützigen Verein: „Wasser-fuer-Gobabis“
gebührt der Dank und der große Respekt für
diese sensationelle Einrichtung, die in ähnlicher
Weise auch in Dornfeld bestehen soll. Die Dankbarkeit der letzten
beiden weißen Schwestern für die großen Hilfen
aus Deutschland, ist in Aminuis ganz besonders spürbar. Schwester
Ansgardis machte am späten Nachmittag noch eine Rundfahrt mit
uns durch Aminuis, nachdem Jacky und ich versucht hatten auf dem
herrlich silbrig-weiß schimmernden ausgetrockneten Salzsee
etwas Salz zu ernten. Die Salzschicht erwies sich jedoch als nur
etwa einen Millimeter dick. Keine Chance also das Salz, ohne den
darunter liegenden, vertrockneten Schlamm zu ernten. Statt dessen
schenkte Schwester Jutta jedem von uns ein Fläschen verschiedenfarbigen
Namib-Wüstensandes.
Nachmittags wurden bereits viele Kinder zum verlängerten Osterwochenende
in Pickups von den Eltern abgeholt. Nach dem Abendessen wurden wir
in die Dunkelheit vor den Kirchplatz hinausgebeten, wo uns eine
Truppe von 50, 60 Kindern eine atemberaubende Gesangs-und Tanzdarbietung
lieferte. Die Stimmung war umwerfend:

Dunkelheit, nur die schwach beleuchtete, gelbe Kirchenwand,
Staub, aufgewirbelt von stampfenden Füßen. Wir waren
zu Tränen gerührt! Wenn afrikanische Kinder ungehemmt
ihren mehrstimmigen, rhythmischen Gesang anstimmen, bleibt kein
Auge trocken!
Danach saßen wir wieder mit den Schwestern zusammen. Wir bekamen
unsere Bierchen und Schwester Jutta strickte, wie jeden Abend, wunderbare,
bunte Kinderpullover, die sie den Kindern in den Ferien aber niemals
mit nach Hause gibt, weil diese sonst von der Familie "einbehalten"
werden.
Am Karfreitagmorgen, 10. April, brachte uns Schwester Ansgardis
wieder nach Dornfeld, wo wir noch einige, wenige Patienten behandelten.
Die Mittagszeit verbrachten wir dann mit Sterilisieren, Ausmisten,
Archivieren, Listen schreiben und Einpacken, um nachmittags zu unserem
Hotel Monika nach Windhoek gebracht zu werden, wo wir ab Samstag
mit einem „Double Cab mit 2 Dachzelten“ noch ein wenig
Namibia erkunden wollten – aber das ist eine andere Geschichte!
Behandlungsstatistik
2009
Dornfeld
Epukiro Aminuis
Gesamt Untersuchungen 1080
250
536
1866 Behandelte Kinder:
177
26
65
268
Zahnsteinentf./Reinigung
140
05
41
186
Kariesbehandlungen
220
45
30
295
Zahnextraktionen
25 (p)
07 (p) 15 (p)
47
Ästhetische Behandlungen
12
01
02
(Verbreiterung
von Zapfenzähnen)
2010
Dornfeld
Epukiro Aminuis
Gesamt
Untersuchungen:
908
321
535
1764
Behandelte Kinder:
141
33
85
259
Zahnsteinentf./Reinigung
54
05
22
81 Kariesbehandlungen:
65
37
100
202
Zahnextraktionenen
45
05
17
67
Ästhetische Behandlungen
--
--
--
2011
Dornfeld
Epukiro Aminuis
Gesamt
Untersuchungen
858
284 (+31K) 510
1652
Behandelte Kinder
251
92
146
489
Zahnsteinent./Reinigung
132
19
83
234
Kariesbehandlungen
59
99 (37p) 57 (31p)
215
Zahnextraktionen, zerstörte
26
7
3
36
Zahnextraktionen, KFO
8
58 (4p)
112 (13p)
178
Ästhetische Behandlungen
18
3
9
30
Fluoridierungen
15
15
HIV-Verdächtige:
keine
K = Kindergartenkinder
(incl.)
p = permanente Zähne
(incl.)
Beginn
einer Leidenschaft
Juni
1997
Dr. Steffen Wander
Die Initiatorin
von Afrodent e.V., Dr. Ingrid Schuster, hatte mich 1997 bei einem
Aschermittwochsessen auf die Missionsstationen Dornfeld und Aminuis
in Namibia aufmerksam gemacht. Dort sollte das marode Behandlungsgerät
der Zahnstation repariert und 1.600 schwarze Farmerkinder betreut
werden. Und so kam es, dass meine Frau und ich wenige Monate später
nachts von dem Leiter der Missionsstation, Pater Dr. Pöllitzer,
und Schwester Domenika am Flughafen Windhoek abgeholt wurden.
Nach
200 km Asphalt- und Schotterpiste in Richtung Osten, wurden wir
in Dornfeld von den afrikanischen Schwestern mit einem mitternächtlichen
Lied und einem Imbiss empfangen. Wenig später suchten wir unser
Wohnquartier „das Paradies“ auf - Decken waren reichlich
vorhanden, denn es herrschten nachts Minustemperaturen - aber keine
Heizung.
Der
erste Tag, Freitag 30. Mai 1997:
Um 8 Uhr wurden wir durch das Gekicher und Pala-ver von zwei kaffekochenden,
afrikanischen Mitbe-wohnerinnen geweckt. Bis zur Mittagspause versuchte
ich das luftgetriebene amerikanische Unit in Gang zu bringen. Verzweifelt
suchte ich das Spezialwerkzeug, um den Deckel vom Schwebetisch zu
öffnen aus dem das Wasser herausplätscherte. Es fand sich
nach Stunden zufällig zwischen dem umgedrehten Deckel und dem
Schachtelboden der Hand- und Winkelstücke.
Da das
Gerät noch nicht einsatzbereit war nahm ich zunächst nur
Untersuchungen und einige einfache Extraktionen und Zahnsteinentfernungen
vor. Ich saß dazu breitbeinig auf einem Hocker und Kind um
Kind stellte sich artig mit weit geöffne-tem Mund vor mich
hin. Die Untersuchung erfolgte mit einem batteriebetriebenen Leucht-Mundspiegel
und Sonde.
Bis
Sonntagmittag waren alle Kinder untersucht. Am
angenehmsten fielen die etwa 200 Buschleute- Kinder (San) auf. Sie
stellten sich voller Gehorsam und Zuversicht vor mich hin und öffneten
artig den Mund, so als ob sie die Sonne weit in sich hinein-scheinen
lassen wollten. Einige Kinder erschraken allerdings ganz fürchterlich
vor dem blitzenden Mundspiegel. Sie wichen mit einem spitzen Schrei
zurück und rannten dann unter dem Gekicher der anderen aus
dem Behandlungszimmer. Nach der Untersuchung bekam jedes Kind einen
Luftballon als Belohnung. Als diese ausgegeben waren, verteilten
wir Plastikmundspiegel. Sonntagnachmittag hatten
wir frei und bummelten über das Gelände von Dornfeld.
Die humorigen, kunstvollen Fassadenmalereien beeindruckten uns sehr.
Der Montagmorgen
zerrann wiederum mit Fehlersuche, Stromschlag und Reparaturen in
der Zahnstation. Am Nachmittag ging’s endlich los mit Zahnfüllungen
und größeren Zahnextraktionen. Zum Vernähen fehlte
allerdings ein Nadelhalter und so musste eine Lüer Zange herhalten,
die ich vorsorglich aus meinen eigenen Beständen mitgebracht
hatte. Älteren Kindern mit kariösen Zähnen händigten
wir Elmex-Gelee mit besondern Hinweisen zur Benutzung aus. Die kleinen
Kinder waren beim Bohren mucksmäuschen still und alles ging
ohne Lokalanästhesie vonstatten. Welch eine Freude solche Kinder
zu behandeln.
Wenn
nur nicht dieser Höllenlärm vom Kompres-sor gewesen wäre.
Er knatterte ununterbrochen wie eine Dreschmaschine aus den 50-er
Jahren. Bei erreichen von sechs Atm Betriebsdruck, schaltete er
sich nicht etwa ab, sondern es öffnete sich das Überdruckventil
mit einem Riesenknall und so musste ich, auf dem linken Bein balancierend,
den Schalter mit dem rechten Fuß rechtzeitig umlegen, bevor
es knallte. Außerdem war die Absauganlage immer noch defekt.
Dienstagnachmittag
wischte ich wieder Mal die große Pfütze unter meinen
Füßen auf, als mir die assistierende Erzieherin Delilah
bedeutete wieder Hand-schuhe anzuziehen, denn die nächste junge
Patientin habe nämlich "Tipie" (Tb). Beim Abendessen
klärte uns Michael, ein amerikanischer Praktikant, darüber
auf, dass Tb sicher eine Umschreibung für Aids sei. Da war
es also, das Problem vor dem wir von Anfang an Angst hatten. Pater
Pöllitzer versicherte uns jedoch später konsterniert in
einem Brief, dass alle Kinder vor Schulbeginn ärztlich untersucht
würden, es sich also nur um Tuberkulose und nicht um Aids gehandelt
haben könnte! Na, ,ja ?! Sein Wort in Gottes Ohr - dachten
wir uns, beim lesen.

Am Mittwoch
fuhren wir mit dem Dornfelder Pickup, beladen mit Äpfeln, roten
Rüben und Kartoffeln in die kleinere, südlichere Missionsstation
Aminuis, wo
400 Kinder untersucht werden mussten. Mit von der Partie war die
Koffer-Behandlungseinheit (Transcare), eine Reisetasche voller zahnärztlicher
Instrumente und Kleingeräte. Es war eine wunderbare Fahrt
über 200 Kilometer namibischer Waschbrettstraßen, mit
weiten Ausblicken in die afrikanische Landschaft. Aminuis, mit Kirchturm
und Dorfcharakter, liegt auf einer Anhöhe über einem Salzsee.
Im Frühjahr hatte es hier viel geregnet, so dass die Eltern,
bis zu den Hüften im Wasser watend, ihre Kinder zur Schule
hatten bringen müssen. Nach dem Mittagessen untersuchten wir
in einem großen, hellen Saal alle Kinder. Der ganze Schulbetrieb
war abgestimmt auf das eintägige Ereignis „der Zahnarzt
kommt“.
Am Donnerstagvormittag
wurde die Schulbibliothek zum Behandlungsraum umfunktioniert. Mit
dem Transcare-Koffer von Satelec wurde Zahnstein entfernt oder Zähne
ausgebohrt. Die Leiterin der Missionsstation hielt den Kopf der
Kinder und als Füllmaterial verwendete ich lichthärtendes
Dyract mit Applikationsspritze. Die Extraktion eines teilretinierten
oberen Weisheitszahnes kostete Schwester Ans-gardis und mich 30
Minuten schweißtreibender Geduld. Kein Wunder! Dieser Zahn
hatte drei divergierende Wurzeln, wie die Zipfel einer Kölner
Narrenkappe.
Bei einigen
Kindern standen die Zähne wie bei Haifischen in Dreierreihen
hintereinander. Derart krasse Zahnwechselstörungen hatten wir
in Dornfeld nicht mehr gesehen , da im Vorjahr dort zwei Kollegen
aus Kaufbeuren durch gezielte Zahnextraktionen steuernd in den Zahnwechsel
eingegriffen hatten.
Zurück
in Dornfeld, konnten wir die letzten drei Tage, endlich
mit Absauganlage arbeiten. Der Hauselektriker hatte sie zwischenzeitlich
repariert. Dafür löste sich auf einmal die Arbeitsleuchte
vom Schwenkarm und baumelte an den Kabeln über dem kleinen
Patienten. Mit einer Extraktionszange konnte sie wieder angeschraubt
werden. Mit der selben Zange bekam ich auch den Schlauchanschluss
des Zahnsteinentfernungs-Gerätes dicht, sodass mir nicht mehr
dauernd das Kühlwasser in den Ärmel spritzte.
Ein Behandlungsfall
hatte uns besondere Freude gemacht: Ein junger Mann hat-te
sich einen unteren Schneidezahn abgebrochen. In die endodontisch
versorgte Wurzel klebte ich zunächst mit Glasionomerzement
das schartige, hoffentlich nichttrostende, Arbeitsende einer Lindemannfräse
ein. Aus einem gerade noch knetbaren, (hitze-) überlagerten
Kompositrest und Adhäsiv mischte ich mir eine pastenartige
Masse zusammen, welche ich mit Säureätztechnik dann um
die Lindemannfräse herum zu einem Zahn aufbaute. Nun konnte
Alex wieder lachen.
Sonntagabend
und Montagmorgen galten Sortier- und Verpackungsarbeiten.
Listen wurden geschrieben, Behälter beschriftet, Gebrauchsanweisungen
erstellt. Die hitzeempfindlichen Materialien wurden extra verpackt,
um sie von nunan in der Kühlanlage der Schwesternkantine einzulagern.
Die Speiseeis-Behälter mit Deckel, welche uns Schwester Elisabeth
schon am ersten Arbeitstag schweren Herzens nur „geborgt“
hatte, gingen nun endgültig in den Besitz der Zahnstation über.
Endlich gibt es genügend Behälter, um alle Instrumente
staubfrei in den Schubkästen eines Schreibtischcontainers zu
lagern.
Schwester
Domenika hatte von uns erfahren,
dass wir
durch die Ausgabe von Zahnhygienearti-
keln das
Thema Prophylaxe eingebracht hatten, und so bat
sie mich, einen Vortrag vor den Erzie-hern zu halten. Mit holperigem
Englisch, aber umso verständlicheren Kreidezeichnungen an der
Schultafel, hatte ich aufgezeigt, wie der Countdown des Gebisses
verhindert werden kann, und welche Rolle hierbei die Ernährung,
der Speichel und die Mundhygiene spielen.
Den Montagnachmittag
konnten wir endlich mal in der „Westernstadt“ Gobabis
verbringen. Nach dem Abendessen in Dornfeld wurden wir in den Speisesaal
gebeten, wo uns alle Kinder verabschiedeten. Zwei Jugendliche überreichten
uns ganz liebe Abschiedsgeschenke und ein mehrstimmiger Gesang aus
tausend Kinderkehlen brachte uns vor lauter Rührung fast aus
der Fassung. Als ich nach meinen Abschiedsworten den Heimleiter
Sylvester umarmte, tobte der Saal.
In eigener Sache:
Afrodent e.V. ist ein gemeinnütziger Verein, getragen von
z. Zt. 12 Mitgliedern.
Unser Bemühen ist es alljährlich zwei Behandlerteams zu
obengenannten drei Missionsstationen zu schicken. Aufgrund der unbedeutenden
Mitgliederzahl sind wir auf Spendengelder und Sachspenden der Dentalindustrie
und des Dentalhandels angewiesen.
Website
überarbeitet und ergänzt am 19. Januar 2012
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