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Basis-Zahnmedizin im afrikanischen Busch - Notizen aus Namibia

Umfassender Bericht von 1997 zu lesen am Ende dieser Einsatzberichte

Das Kollegenpaar Dres. Cornelia & Joachim Fischer waren 2011 zum dritten Mal in Dornfeld wo sie sich fast schon zuhause fühlen. Dieses Mal bekamen sie das schönste Zimmer, das ihnen die "sisters of immaculate conception" zur Verfügung stellen konnten. Sie widmeten sich wieder stark der Individualprophylaxe, wobei auch Plaquefärbemittel eingesetzt wurde - ein Procedere, das, obwohl Kassenleistung, nicht einmal in allen deutschen Zahnarztpraxen zum Tragen kommt, Über deren Charity-Job 2010 gibt es im KURIER AM SONNTAG, vom 25.7.10 auf Seite 2 ein aufschlussreiches Interview.

Nach den Fischers übernahmen 2011 Dr. Peter Schöner aus Bottrop und seine Frau Anne den Charity-Job in Aminuis und Epukiro.

                       neueste Blog Adresse: peters-touren.de

Hier deren verkürzter Bericht:

Die zur Jahreswende 2010/2011 aus Deutschland per Schiffscontainer angelieferten Denalgeräte hatten allesamt technische Mängel. So war das Improvisationstalent der beiden "Newcomer" gefordert, was offenbar die Freude an Ihrer Arbeit kaum schmälerte!

"Wir wurden (in Aminuis) herzlich von den Schwestern Jutta, Ansgardis und Rosa Maria empfangen   ...  dass der OP-Stuhl nur von der Helferinnenseite aus zu bedienen war  ...  auch die OP-Leuchte war nicht funktionsfähig  ...  kam die gute alte Kopflampe zum Einsatz.

Obwohl von zuhause her mit der Gruppenprophylaxe gut vertraut  "habe ich mich auf die Individual-Prophylaxe geworfen".    Aufgrund der Entsendung von zwei Behandlerteams  war auch ausreichend  Zeit dafür zur Verfügung:

"Es war überwältigend.  Bei den Kontrollen nach 2 oder 3 Tagen waren alle Gebisse, bis auf 2 - 3, in einem hervorragenden Zustand  ...   Dazu kam, dass die Kinder äußerst erfreut und stolz waren, wenn ich die deutlichen Verbesserungen bemerkte und sie dafür lobte.   ...  und (sie) besonders stolz darauf seien, dass ihnen persönlich diese Dinge nahe gebracht wurden.

"Nun haben wir auch die Arbeit in Epukiro hinter uns gebracht  ...  Leider waren nicht mehr genug Handschuhe in meiner Größe (Kollege Schöner ist 1,95 m) da, da ja die Kiste, in denen die meisten Packungen waren, verschwunden war. Ich hatte daher leichte Verkrampfungen gegen Mittag und Abend in den Händen, weil die viel zu kleinen Handschuhe alles zusammenpreßten"

"  ... Gott sei Dank hatten wir Simon von Aminuis als Fahrer und Helfer mit bekommen  ... kamen also in Epukiro an und standen da, wie der Ochse vorm Berg, obwohl vorher von Dornfeld aus angerufen worden war  ...  Pater (Raimund) beim Mittagsschlaf und Bruder John ausser Haus  ...

Die OP-Leuchte konnte nicht angeschraubt werden, da die Bohrungen am extra angefertigten Stuhladapter nicht mit den Bohrungen am OP-Stuhl fluchteten. Der Reflektor der Op-Leuchte war zerbrochen, der Traytisch konnte nur provisorisch befestigt werden, da der passende Sechskantschlüssel fehlte.

"Der Autoclav arbeitet einwandfrei, ist aber "inkontinent"  ...  mußten wir auf gefiltertes Regenwasser zurückgreifen ...  die 2 Kanister Aqua dest (10 Liter !!) reichten nicht aus.

"Leider war auch hier wieder etwas mit den Zahnbürsten schief gelaufen. Pater Raimund hatte zwar 1000 Bürsten bekommen  ...  nicht an die Schule weiter gegeben, sodass die meisten der Kinder aus dem Ort keine Bürste hatten". ...."So schafften wir es bis zum Abend 286 Kinder (die PrePrimary eingeschlossen) zu untersuchen."

"Und hier (in Epukiro) geschah etwas, was wir bisher noch nicht erlebt hatten, größere Jungen fingen an zu heulen, wenn man nur an den Mund kam. Die Mädchen zeigten sich wesentlich tapferer."  ...."Ich wollte den Behandlungsstuhl verstellen, um Füllungen im Oberkiefer zu machen. Leider keine Funktion."

"Am Freitag (der letzte Tag) kam dann auch noch der Kindergarten. 36 Stöppken, mehr oder minder süß. Sie bekamen jeder eine Kinderzahn-bürste mit dickem Griff und kleinem Kopf, die mir von den Fischers überlassen worden waren."  ... "wollten eigentlich nach dem Abendessen weiter machen (mit Aufräumen und Verpacken). Da kam jedoch (der schüchterne) Pater Raimund auf die Idee, wir könnten uns doch bei einem Fläschchen Bier noch zusammensetzen. So trafen wir uns also das erste Mal im Fernsehzimmer. Bruder John stellte sich als lustiger Plauderer heraus, bei dem man nur darauf achten muss, welche Sprache er gerade benutzt - Afrikaans, Deutsch oder Englisch. Manchmal auch kunterbunt durcheinander."

"Zusammenfassend möchte ich sagen, dass uns die Arbeit sehr viel Spass gemacht hat. Die strahlenden Blicke der Kinder, wenn sie dann festgestellt hatten, dass es garnicht so schlimm war und auch die freundliche Aufnahme durch die Schwestern halfen über die kleinen Mißlichkeiten hinweg"

Peter Schöner, 11. 04. 2011  (per mail aus Dornfeld)

 

Zahnärztlicher Charity-Job in Aminuis und Epukiro mit Hilfe der transportablen Koffer-Dentaleinheit: Satelec-Transcare

Dr. med. Ute Kohlstedt und ZÄ Anne Weikert  aus Erfurt im  Juni 2010 

Ein Jahr lang hatten wir unseren zweiwöchigen Einsatz geplant. Am 23.05.2010 war es dann endlich soweit .....In Dornfeld wurden wir herzlich von Sr. Angela begrüßt ...

Zwei große Alukisten, ein großer Koffer, sowie Kartons mit 2000 Zahnbürsten warteten auf ihren Einsatz.

Die mobile Dentaleinheit hatten wir im Flugzeug mitgebracht.

Elias fuhr uns mit übervollem Auto nach Aminuis, wo uns die betagten Sr. Ansgardis und Sr. Jutta herzlichst begrüßten. Die per Container vorrausgeschickten Geräte: Autoclav und Behandlungsstuhl wurden ausgepackt, aufgestellt, die Behandlungsleuchte verkabelt und "Transcare" auf unserer großen Alu-Transportkiste aufgebaut. Der uns zugeteilte Raum verwandelte sich somit in eine kleine Zahnambulanz und einem guten Behandlungsstart stand nichts mehr im Wege.

535 Kinder wurden untersucht, ein jedes erhielt eine Zahnbürste, 85 mußten behandelt werden. Eine große organisatorische Hilfe waren die Schwestern Ansgardis und Jutta, sowie die Erzieher/in Johanna und Elias. Nach den Behandlungstagen gingen wir zum nächsten Teil unserer Arbeit über:

Mit Zahnputzhund und großer Zahnbürste, Zahnputzanleitungen und Zahnputz-uhren gingen wir in die einzelnen Kindergruppen, um sie mit der Prophylaxe vertraut zu machen. Sr. Ansgardis und das Erzieherteam waren auch dabei.

Eine bemerkenswerte Ruhe und Aufmerksamkeit vom kleinsten bis zum größten Kind bis hin zu den Erwachsenen begleitete unseren Vortrag mit anschließender Putzdemonstration.

Beim gemeinsamen Zähneputzen in den Waschräumen konnten wir die große Begeisterung für das Gelernte feststellen.Es war großartig!!!!

...  Elias fuhr uns zum nächsten Einsatzort Epukiro, wo uns Sr. Monica erwartete. Es wurde wie in Aminuis der neu angelieferte, aber leider zu kleine Autoclav und der Behand-lungsstuhl mit Stativleuchte ausgepackt, aufgestellt und mit Hilfe des Transcare-Koffers die Zahnambulanz eingerichtet.

321 Kinder wurden untersucht und mit einer Zahnbürste beschenkt. 33 Kinder mußten behandelt werden. Nachdem wieder alle Instrumente und Verbrauchs-Materialien versorgt waren erfolgte das selbe Prophylaxe-Procedere wie in Aminuis. Aufs Neue erstaunt folgten alle Kinder unseren Putzanweisungen sehr aufmerksam.

Voller Stolz konnten einige Kinder das Erlernte am Zahnputzhund vorführen  u n d  in Afrikaans kommentieren!

Der Charity-Job war arbeitsintensiv, aber sehr dankbar. Er wird uns bei unserer weiteren Arbeit in unseren Praxen stets begleiten.

P.S. Besonderer Dank gilt Ute´s Mann, Uwe, der einen Behandlungsstuhl mit

Op-Leuchte und Autoclaven beschafft, verpackt und zum Missionsprokur nach Borken-Burlo sandte, von wo die Afrodent-Paletten nach Namibia verschickt wurden.


Arbeitsbericht Missionsschule Dornfeld  vom April 2010

Zahnärzte Dres. Cornelia Leuer-Fischer & Joachim Fischer, Kleve

(gekürzte Version, sw)

Herzlicher Empfang, wie vor drei Jahren. Von Sr. Klara und Sr. Angela erhielten wir eine sehr schöne Unterkunft im " Klarahaus ". Es wurde gerade ein Jubiläum gefeiert mit Aufführungen und Tänzen von Schülern. Herzliches Wiedersehen mit dem Erzbischof von Windhoek, den wir schon 2009 in unserer Praxis kennenlernen durften. Nach dem Erwecken der Zahnstation aus dem Dornröschenschlaf ging es am nächsten Morgen zeitig los mit den Reihenunter-suchungen von 908 Schülern aus Primary-und Highschool. Hostelmutter Maria hatte die lärmende Kinderschar gut im Griff. Nach den Untersuchungen ging es nahtlos weiter mit  der Behandlung von 141 Kindern: Die Kinder wurden mit kleinen Geschenken belohnt. Der Renner - wie immer - die Luftballons.

In der behandlungsfreien Zeit wurde Material sortiert und die Füllungsmaterialien, die mit Ablauf des Jahres verfallen würden, an die Zahnambulanz des Hospitals von Gobabis, wo Sr. Bernadette arbeitet, gegeben. Das war eine große Freude, weil dort gerade einige Materialien fehlten.

Zahnputzanweisungen haben wir immer mit der Frage nach dem Besitz einer Zahnbürste begonnen - dadurch erübrigte sich manches von selbst. Allgemein ist der Zustand der Zähne relativ gut, was wir auf die von Afrodent organisierten Arbeitseinsätze zurückführen.

Den Lehrkräften der Primary School haben wir von uns gestaltete Zahnputzflyer und Zahnbürsten übergeben, mit der "verschärften" Bitte, diese im Unterricht einzusetzen - man zeigte Interesse und sicherte Umsetzung (was leider nicht geschah, that´s Africa, sw).

Am 23.04 ging es zurück in unsere doch so technisierte heimische Welt.

P.S. besonderer Dank!

Aus Spenden hatte das Ehepaar Fischer Schreibutensilien für die Primary School u. anläßlich der Fußball-WM in Südafrika Trikots u. Fußbälle mitgebracht. Paula, die Sportlehrerin hat daraufhin sofort auch eine Mädchenmannschaft aufgestellt

(die nur wenige Wochen existierte - that´s Africa - sw)

 


Die beiden nachfolgenden Berichte schildern in laienverständ-licher Form die dortigen Verhältnisse  - Steffen Wander

Charity-Job in Namibia, 29. März bis 10. April 2009

Meine Frau Christel (zahnmed. Laie) und ich waren schon 1997 (siehe unten )

in den R.C. Missionsschulen von Dornfeld und Aminuis tätig gewesen. Dieses Jahr war noch Jacky Rodrigues, aus meiner früheren Praxis, als Dental Hygenist mit von der Partie, um endlich mal dem vielen Zahnstein bei den Kindern Herr zu werden! Und das war auch gut so, denn dieses mal sollte erstmalig auch noch Epukiro mitversorgt werden: summa summarum. 1800 Kinder! Wir hatten glücklicherweise ein neues Zahnstein-Entfernungs-Gerät dabei, denn die 2007 in Dornfeld installierte Dentaleinheit Sirona Fona A1 hatte unerwarteterweise gar kein ZEG. Air Berlin hatte wieder kostenfrei 30 kg dentalmedizinisches Equipment transportiert.
Die vom namibischen Gesundheitsministerium seit einigen Jahren angeforderten Nachweise von Approbation, Englischkenntnissen, des „good standing“, ein polizeiliches Führungszeugnis und der Nachweis einer langjährigen Berufserfahrung waren ins Englische übersetzt und beglaubigt worden und bereits mit dem Postweg unterwegs nach Windhoek zum Roman Catholic Health Service. Diese "deutschsprachige" Organisation wollte sich um as "permit", die Arbeitserlaubnis kümmern: „Fliegen Sie schon mal los, wir besorgen Ihnen derweil das permit“, hieß es. Auf dem hochoffiziellen, direkten Weg übers Ministerium könnte das ein dreiviertel dauern – wenn überhaupt ...

Mit 21 Stunden Verspätung kamen wir ziemlich erschöpft um 4.30 Uhr in Windhoek an, was uns die Zollformalitäten ersparten, da alle Beamten endlich nach Hause wollten. Thats Africa! Zwei Angestellte aus unserer ersten Einsatzstelle, die ebensolange hatten ausharren müssen brachten uns nach Dornfeld, zu den 1080 Kindern, wo wir sofort nach dem Frühstück die Zahnstation einsatzfähig machten, um nach dem Mittagessen mit den Untersuchungen beginnen zu können.


Das mitgebrachte ZEG-Gerät war eilends auf dem Schwebetisch des neuen Fona A1-Gerätes installiert. Die Wasserzufuhr erfolgte mit Hilfe eines Infusions-besteckes und einer Cola-Flasche, die am Schwenkarm der Operationsleuchte mit Tesatextilband angeklebt worden war. Seit 2008 existierte ein Dampfsterlisator und ein Destillierapparat, so fanden wir glücklicherweise einen Kanister mit 5 Litern destilliertem Wasser vor, wel-ches wir sofort für das ZEG-Gerät verwenden konnten.


Ich saß im Vorraum mit Stirnlampe ausge rüstet, breitbeinig auf einem Stuhl sitzend, daneben unsere große Transportkiste, als Ablage für die Plastikboxen voller Spiegel und Sonden. Die Kinder knieten sich auf die von Air-Berlin mitgebrachte Deckenrolle nieder. Sie stützten sich manchmal mit ihren Händen oder Ellbogen voll Vertrauen auf meinen Knien ab, um sich in den Mund schauen zu lassen. Christel gab als Belohnung die mitgebrachten Luftballons aus, führte Statistik und schrieb Namenslisten für die Wiederbestellungen und farbige Zettel für: ZahnStein, Füllung oder eXtrahieren. Mühsam war es für sie, die für unsere Ohren ungewohnten Nachnamen zu notieren, denn die „Selbstschreiber“ schrieben in der Regel nur ihre Vornamen auf und die lauteten dann: Adelheid, Emma, Naftalia, Sieglinde oder Albert, Eduard, Innocent oder Siegfried. Die Hausmutter (Matrone genannt) hakte zusätzlich auf der Schülerliste die Kinder an, die wieder kommen mussten.

Die einfachen Zahnsteinentfernungen wurden gleich an Jacky ins Behandlungs-Zimmer delegiert, die sich nach Fließband-Manier, die Finger wundarbeitete.

Fürs Erste“ waren das schon mal ca. fünfzig Zahnstein-Behandlungen.
Interessanterweise waren wieder, wie vor 12 Jahren, meist die vier Sechsjahrmolaren lingual und die unteren Frontzähne labial massiv betroffen. Diese subgingivalen Konkremente (schwarzer, unter dem Zahnfleisch wachsender Zahnstein) entstehen ganz offensichtlich in der frühen Zahnwechselphase, wenn es dabei zu Blutungen gekommen war. Demnach müssen sie schon seit vielen Jahren bestanden haben.
An den ersten beiden Tagen wurden also durchschnittlich 60 Kinder pro Stunde gecheckt. Dieses Untersuchungstempo ist insofern unproblematisch, da die Gebisse zu 85 % kariesfrei sind und es de facto keine Approximalkaries gibt (Kontaktkaries zwischen den Zähnen).

Allerdings muß das Team gut zusammenarbeiten. Die Kinder müssen in Reihe anstehen und zügig zur Untersuchung Platz nehmen. Dabei gab es natürlich auch lustige Momente, z.B. als ich mich (in Aminuis) auf einen Stuhl stellen mußte um einem besonders großen Kerl in den Mund schauen zu können. Aber anstren-gend war es trotzdem, sodass wir, wie an den folgenden 10-Stundentagen jeden Abend erschöpft zu Bett gingen.


In der Mittagspause vom 30. März mußten wir eine Leckage der neuen Dentalein-heit beseitigen, was wegen eines Materialfehlers (mangelhafte Hitzebeständigkeit) der Schläuche leider missglückte. So verknoteten wir einfach die Schläuche der Luft-Wasser-Spritze

Bis Samstag, den 4. April mittags wurden in Dornfeld 140 Kinder zur Kariesbehandlung und 25 aus kieferorthopädischer Vorsorge zur Zahnextraktion einbestellt, sowie weitere zwölf für ästhetische Zahn-restaurationenen, z.B. Vergrößerung von angeborenen Zapfenzähnen. Für die Entfernung von massiverem Zahnstein oder subgingivaler Konkremente wurden weitere 90 Kinder behandelt. Hierzu erwies sich das zweite ZEG im Transcarekoffer als sehr hilfreich. Sowohl Jacky, als auch Christel bemühten sich diesen Kindern die Grundzüge der Reinigung mit einer Zahnbürste zu vermitteln.

Am Abend des 31. März musste der dicke Absaugschlauch im Anschlußkasten neu verlegt werden, da er geknickt war und sich bei Erwärmung selbst immer zusammenzog. Als diese Arbeit endlich erledigt war brach auch noch der Absperrhahn für die Wasserzufuhr auseinander und es dauerte fast eine halbe Stunde bis jemand zur Stelle war, der den im Sande vergrabenen Hauptabsperrhahn gefunden hatte. In der Zwischenzeit schaufelten wir wie verrückt etwa 20 Eimer voll Wasser aus dem Fenster hinaus, da das neue, teure Dentalgerät abzusaufen drohte.

In der Mittagspause vom 3. April gönnten wir uns 20 Minuten am „Theatron“, einem Halbrund mit Sichtschutzwänden und Swimmingpool. Sehr geeignet auch zum Wäsche aufhängen. Am Abend des selben Tages hatten wir endlich auch Muße, mit den Schwestern den Feierabend zu verbringen und Ihnen die Rohversion unseres selbstgefertigten, auf afrikanische Kinder abgestimmten Videoclips über Prophylaxe vorzustellen, was sich leider als völlig untauglich erwies. Laienarbeit eben!

Am 4. April hielten wir noch eine Vormittagssprechstunde ab, sterilisierten während der Mittagspause das Instrumentarium und bereiteten die Gerätschaften für die nächste Aufgabe vor. Nach einer kleinen Kaffepause im idyllischen Schwesterngarten fuhr uns Bruder John über 150 km Schotterpiste nach Epukiro, wo wir spätnachmittags ankamen und den 83-jährigen, rheinländisch-humorvollen Pater Volk kennenlernten.

Das Schulgelände ist von vielen kleinen, zum Teil sehr gepflegten ebenerdigen Häusern mit Gemüsebeeten und Blumenrabatten umge-ben. Es gibt auch einen
Krankenhausbungalow. Gleich nach Ankunft u. Imbiß improvisierten wir mit dem Transcare-Dental-Gerät eine Zahnstation.



Etwa 180 Kinder erwarteten uns schon, in Gruppen im Sand sitzend und waren gespannt auf das Untersuchungszeremoniell. Die Eigenbaunacken-stütze erwies sich als nützlich, aber verbesserungs-bedürftig. In Epukiro gibt es leider kein „Hostel“ (Internat). Alle Kinder wohnen bei ihren Eltern, was deutlich am Hygienezustand der Zähne zu sehen ist. Die Frage ist, wie man künftig an alle Schul-kinder zur Mundhygieneaufklärung herankommen könnte.
Der Folgetag, 5. April, war Palmsonntag und wir besuchten erst die großartige Liturgie. Wegen der Winterzeit waren die Uhren offiziell bereits umgestellt. Nicht so aber in Epukiro! So gewannen wir eine zusätzliche Stunde zum Arbeiten, denn die Umstellung wurde erst für die Nacht von Sonntag auf Montag vollzogen, um die Kinder nicht aus dem Trott zu bringen.
Die Nachmittagsbehandlung wurde zu einem großen Ärgernis, denn keine Schwester, kein Lehrer und keine Schülerliste stand uns zur Verfügung und so wurde behandelt wer halt so daherkam. Das wirkliche Durcheinander wurde uns erst bewusst, als zum wiederholten Male Kinder den Mund aufmachten und wir uns sagten: „verflixt, dieses Gebiss kennen wir doch schon“. Die Kinder wollten einfach nochmals einen Luftballon geschenkt bekommen. Ziemlich verärgert darüber, so allein gelassen zu werden machte ich mich auf die Suche nach irgendeiner Schwester. Vergeblich! Pater Volk rettete uns dann aus der misslichen Lage. Allerdings hatte er, trotz einer kleinen Gerte in der Hand, ziemlich Mühe die wilde Horde vor der „Zahnstation“ in einen disziplinierten Haufen zu verwandeln.
Als wir dann gegen 17.30 Uhr unsere Arbeit beendet hatten und die Gerätschaften für den Montagmorgen versorgten, tauchte plötzlich die Prinzipalin, die Schulleiterin auf, um ihr Kind (und auch sich selber?) behandeln zulassen. Angeblich hatte sie nicht gewusst, dass wir uns zum „dental work“ in Epukiro aufhielten. Sie hätte uns zwar in der Kirche gesehen, sagte sie, aber für Touristen gehalten. Dies hat uns sehr, sehr befremdet, zumal Pater Volk am Ende der Messe die Kirchgänger auf uns und unseren „charity job“ aufmerksam gemacht und dafür gedankt hatte und einige Kirchgänger beim Verlassen der Kirche uns noch dankend die Hände geschüttelt hatten. Uns wunderte nun nicht mehr, weshalb in Epukiro nur die Hälfte der eingeschulten Kinder zu uns gekommen war.

Die Abende verbrachten wir mit Pater Volk und Bruder John bei einigen Flaschen Bier, (den Schwestern sei Dank!) im Fernsehraum mit Animal Planet und NBC-Nachrichten.

Am Montagvormittag, 6. April, behandelten wir noch einige Kinder und verbrachten die Mittagspause am wenig einladenden, mit toten Insekten übersäten Pool und einem Spaziergang durch das Dorf. Inzwischen hatte Bruder John bei den Hereros zwar seine Kühe wieder aufgefunden, aber immer noch keinen reparierten Traktorreifen und so fuhren wir mit ihm und Pater Volk erst nachmittags wieder nach Dornfeld zurück. Unterwegs konnten wir eine extrem langsam über die sandige Piste schleichende Cobra aus allernächster Nähe beobachten. Im Gras angekommen, wurde sie dann sehr, sehr schnell. Das hatte Bruder John uns aber schon vorausgesagt.





Abschied von Epukiro

 

 


Am Vormittag, des 7. April, nahmen wir in Dornfeld noch einige Kontrollen und Restbehandlungen vor. Anschließend wieder Reinigung und Sterilisation des Instrumentariums mit Überprüfung und Verpackung der Gerätschaften für die nächste Aktion. Dann ein kurzes Mittagessen. Schwester Ansgardis, unverändert frisch, wie vor 12 Jahren, erwartete uns schon für die 200 km lange Pisten-Fahrt nach Aminuis. Als wir schon abfahrbereit waren, wurden wir nochmals aus dem Auto gebeten, um in den Speisesaal zu kommen. Dort empfing uns dann ein tausendstimmiger Chor, als Dank für unser Engagement, und wieder flossen Tränen, wie 1997. Für jeden gabs noch ein kleines Abschiedsgeschenk und von mir, auf einem Stuhl stehend, mit einem Kloß im Hals, noch ein paar Dankesworte für den Abschiedsgesang. Dann tosendes Kindergejubel und eine Umarmung meinerseits von Schwester Lucia, die leider kurz darauf an ihrem Herzleiden verstarb. Dann wurden wir von einer tanzenden Mädchenschar zum Auto begleitet – und ab ging es nach:

Aminuis. Dort angekommen richteten wir sofort das Behandlungszimmer ein:


Transcarekoffer auf dem Kühlschrank, das Instrumen-tarium auf einem mit Plastik-folie überzogenen Bett. Die Untesuchungen gingen flott voran, da die Schwestern organisatorisch vorgesorgt hatten. Auch hier in Aminuis zeigte sich wie in Dornfeld, daß ganze Klassenverbände mit extrem gepflegten Gebis-sen aufwarteten und andere, deren Mundhygiene sehr zu wünschen übrig ließ.

Am Mittwochvormittag, dem 8. April, wurde Jacky Bettruhe verordnet, um antibio-tisch vollgepumpt, ihre seit vielen Tagen mitgeschleppte Sinusitis auszuheilen.
Trotz der umständlicheren Arbeitsweise mit dem Transcarekoffer konnte ich hier in Aminuis, wie schon 12 Jahre zuvor, mit meiner Frau und einer Matrone die Untersuchungen u. Behandlungen streßfrei durchführen. Das angenehme Umfeld dieser kleineren Station und die "artigen" Kinder, erleichterte die Arbeit.


Am 9. April, Gründonnerstag-Mittag war die Arbeit getan. Schwester Ansgardis zeigte uns zu Recht wieder voller Stolz die schöne Anlage, die Schulräume, die sanitären Einrichtungen und die wunderbare Trinkwasseraufbereitungs-und Verteilungsanlage, die das Herz eines jeden deutschen Handwerkers höher schlagen lässt. Dem gemeinnützigen Verein: „Wasser-fuer-Gobabis“ gebührt der Dank und der große Respekt für diese sensationelle Einrichtung, die in ähnlicher Weise auch in Dornfeld bestehen soll. Die Dankbarkeit der letzten beiden weißen Schwestern für die großen Hilfen aus Deutschland, ist in Aminuis ganz besonders spürbar. Schwester Ansgardis machte am späten Nachmittag noch eine Rundfahrt mit uns durch Aminuis, nachdem Jacky und ich versucht hatten auf dem herrlich silbrig-weiß schimmernden ausgetrockneten Salzsee etwas Salz zu ernten. Die Salzschicht erwies sich jedoch als nur etwa einen Millimeter dick. Keine Chance also das Salz, ohne den darunter liegenden, vertrockneten Schlamm zu ernten. Statt dessen schenkte Schwester Jutta jedem von uns ein Fläschen verschiedenfarbigen Namib-Wüstensandes.

Nachmittags wurden bereits viele Kinder zum verlängerten Osterwochenende in Pickups von den Eltern abgeholt. Nach dem Abendessen wurden wir in die Dunkelheit vor den Kirchplatz hinausgebeten, wo uns eine Truppe von 50, 60 Kindern eine atemberaubende Gesangs-und Tanzdarbietung lieferte. Die Stimmung war umwerfend:


Dunkelheit, nur die schwach beleuchtete, gelbe Kirchenwand, Staub, aufgewirbelt von stampfenden Füßen. Wir waren zu Tränen gerührt! Wenn afrikanische Kinder ungehemmt ihren mehrstimmigen, rhythmischen Gesang anstimmen, bleibt kein Auge trocken!

Danach saßen wir wieder mit den Schwestern zusammen. Wir bekamen unsere Bierchen und Schwester Jutta strickte, wie jeden Abend, wunderbare, bunte Kinderpullover, die sie den Kindern in den Ferien aber niemals mit nach Hause gibt, weil diese sonst von der Familie "einbehalten" werden.
Am Karfreitagmorgen, 10. April, brachte uns Schwester Ansgardis wieder nach Dornfeld, wo wir noch einige, wenige Patienten behandelten. Die Mittagszeit verbrachten wir dann mit Sterilisieren, Ausmisten, Archivieren, Listen schreiben und Einpacken, um nachmittags zu unserem Hotel Monika nach Windhoek gebracht zu werden, wo wir ab Samstag mit einem „Double Cab mit 2 Dachzelten“ noch ein wenig Namibia erkunden wollten – aber das ist eine andere Geschichte!

Behandlungsstatistik

                 2009                     Dornfeld         Epukiro       Aminuis               Gesamt  Untersuchungen                       1080                250              536                  1866 Behandelte Kinder:                    177                   26                65                    268

Zahnsteinentf./Reinigung           140                  05                 41                    186

Kariesbehandlungen                 220                  45                 30                    295

Zahnextraktionen                        25 (p)            07 (p)           15 (p)                 47

Ästhetische Behandlungen           12                  01                 02

(Verbreiterung von Zapfenzähnen)

 

                 2010                    Dornfeld          Epukiro       Aminuis               Gesamt Untersuchungen:                         908                 321              535              1764

Behandelte Kinder:                      141                  33                 85                259

Zahnsteinentf./Reinigung              54                   05                22                   81 Kariesbehandlungen:                    65                   37               100                202

Zahnextraktionenen                       45                   05                 17                  67

Ästhetische Behandlungen             --                    --                   --

 

                2011                   Dornfeld         Epukiro        Aminuis           Gesamt

Untersuchungen                         858           284 (+31K)     510                    1652

Behandelte Kinder                      251             92               146                       489

Zahnsteinent./Reinigung            132             19                  83                       234

Kariesbehandlungen                   59              99 (37p)        57 (31p)              215

Zahnextraktionen, zerstörte         26                7                    3                         36

Zahnextraktionen, KFO                 8              58 (4p)         112  (13p)             178

Ästhetische Behandlungen          18                3                     9                        30

Fluoridierungen                          15                                                                  15

HIV-Verdächtige:  keine

K = Kindergartenkinder (incl.)

p = permanente Zähne (incl.)



Beginn einer Leidenschaft

Juni 1997

Dr. Steffen Wander

Die Initiatorin von Afrodent e.V., Dr. Ingrid Schuster, hatte mich 1997 bei einem Aschermittwochsessen auf die Missionsstationen Dornfeld und Aminuis in Namibia aufmerksam gemacht. Dort sollte das marode Behandlungsgerät der Zahnstation repariert und 1.600 schwarze Farmerkinder betreut werden. Und so kam es, dass meine Frau und ich wenige Monate später nachts von dem Leiter der Missionsstation, Pater Dr. Pöllitzer, und Schwester Domenika am Flughafen Windhoek abgeholt wurden.

Nach 200 km Asphalt- und Schotterpiste in Richtung Osten, wurden wir in Dornfeld von den afrikanischen Schwestern mit einem mitternächtlichen Lied und einem Imbiss empfangen. Wenig später suchten wir unser Wohnquartier „das Paradies“ auf - Decken waren reichlich vorhanden, denn es herrschten nachts Minustemperaturen - aber keine Heizung.

Der erste Tag, Freitag 30. Mai 1997:
Um 8 Uhr wurden wir durch das Gekicher und Pala-ver von zwei kaffekochenden, afrikanischen Mitbe-wohnerinnen geweckt. Bis zur Mittagspause versuchte ich das luftgetriebene amerikanische Unit in Gang zu bringen. Verzweifelt suchte ich das Spezialwerkzeug, um den Deckel vom Schwebetisch zu öffnen aus dem das Wasser herausplätscherte. Es fand sich nach Stunden zufällig zwischen dem umgedrehten Deckel und dem Schachtelboden der Hand- und Winkelstücke.

Da das Gerät noch nicht einsatzbereit war nahm ich zunächst nur Untersuchungen und einige einfache Extraktionen und Zahnsteinentfernungen vor. Ich saß dazu breitbeinig auf einem Hocker und Kind um Kind stellte sich artig mit weit geöffne-tem Mund vor mich hin. Die Untersuchung erfolgte mit einem batteriebetriebenen Leucht-Mundspiegel und Sonde.

Bis Sonntagmittag waren alle Kinder untersucht. Am angenehmsten fielen die etwa 200 Buschleute- Kinder (San) auf. Sie stellten sich voller Gehorsam und Zuversicht vor mich hin und öffneten artig den Mund, so als ob sie die Sonne weit in sich hinein-scheinen lassen wollten. Einige Kinder erschraken allerdings ganz fürchterlich vor dem blitzenden Mundspiegel. Sie wichen mit einem spitzen Schrei zurück und rannten dann unter dem Gekicher der anderen aus dem Behandlungszimmer. Nach der Untersuchung bekam jedes Kind einen Luftballon als Belohnung. Als diese ausgegeben waren, verteilten wir Plastikmundspiegel. Sonntagnachmittag hatten wir frei und bummelten über das Gelände von Dornfeld. Die humorigen, kunstvollen Fassadenmalereien beeindruckten uns sehr.

Der Montagmorgen zerrann wiederum mit Fehlersuche, Stromschlag und Reparaturen in der Zahnstation. Am Nachmittag ging’s endlich los mit Zahnfüllungen und größeren Zahnextraktionen. Zum Vernähen fehlte allerdings ein Nadelhalter und so musste eine Lüer Zange herhalten, die ich vorsorglich aus meinen eigenen Beständen mitgebracht hatte. Älteren Kindern mit kariösen Zähnen händigten wir Elmex-Gelee mit besondern Hinweisen zur Benutzung aus. Die kleinen Kinder waren beim Bohren mucksmäuschen still und alles ging ohne Lokalanästhesie vonstatten. Welch eine Freude solche Kinder zu behandeln.

Wenn nur nicht dieser Höllenlärm vom Kompres-sor gewesen wäre. Er knatterte ununterbrochen wie eine Dreschmaschine aus den 50-er Jahren. Bei erreichen von sechs Atm Betriebsdruck, schaltete er sich nicht etwa ab, sondern es öffnete sich das Überdruckventil mit einem Riesenknall und so musste ich, auf dem linken Bein balancierend, den Schalter mit dem rechten Fuß rechtzeitig umlegen, bevor es knallte. Außerdem war die Absauganlage immer noch defekt.

Dienstagnachmittag wischte ich wieder Mal die große Pfütze unter meinen Füßen auf, als mir die assistierende Erzieherin Delilah bedeutete wieder Hand-schuhe anzuziehen, denn die nächste junge Patientin habe nämlich "Tipie" (Tb). Beim Abendessen klärte uns Michael, ein amerikanischer Praktikant, darüber auf, dass Tb sicher eine Umschreibung für Aids sei. Da war es also, das Problem vor dem wir von Anfang an Angst hatten. Pater Pöllitzer versicherte uns jedoch später konsterniert in einem Brief, dass alle Kinder vor Schulbeginn ärztlich untersucht würden, es sich also nur um Tuberkulose und nicht um Aids gehandelt haben könnte! Na, ,ja ?!  Sein Wort in Gottes Ohr - dachten wir uns, beim lesen.

Am Mittwoch fuhren wir mit dem Dornfelder Pickup, beladen mit Äpfeln, roten Rüben und Kartoffeln in die kleinere, südlichere Missionsstation Aminuis, wo 400 Kinder untersucht werden mussten. Mit von der Partie war die Koffer-Behandlungseinheit (Transcare), eine Reisetasche voller zahnärztlicher Instrumente und Kleingeräte.  Es war eine wunderbare Fahrt über 200 Kilometer namibischer Waschbrettstraßen, mit weiten Ausblicken in die afrikanische Landschaft. Aminuis, mit Kirchturm und Dorfcharakter, liegt auf einer Anhöhe über einem Salzsee. Im Frühjahr hatte es hier viel geregnet, so dass die Eltern, bis zu den Hüften im Wasser watend, ihre Kinder zur Schule hatten bringen müssen. Nach dem Mittagessen untersuchten wir in einem großen, hellen Saal alle Kinder. Der ganze Schulbetrieb war abgestimmt auf das eintägige Ereignis „der Zahnarzt kommt“.

Am Donnerstagvormittag wurde die Schulbibliothek zum Behandlungsraum umfunktioniert. Mit dem Transcare-Koffer von Satelec wurde Zahnstein entfernt oder Zähne ausgebohrt. Die Leiterin der Missionsstation hielt den Kopf der Kinder und als Füllmaterial verwendete ich lichthärtendes Dyract mit Applikationsspritze. Die Extraktion eines teilretinierten oberen Weisheitszahnes kostete Schwester Ans-gardis und mich 30 Minuten schweißtreibender Geduld. Kein Wunder! Dieser Zahn hatte drei divergierende Wurzeln, wie die Zipfel einer Kölner Narrenkappe.

Bei einigen Kindern standen die Zähne wie bei Haifischen in Dreierreihen hintereinander. Derart krasse Zahnwechselstörungen hatten wir in Dornfeld nicht mehr gesehen , da im Vorjahr dort zwei Kollegen aus Kaufbeuren durch gezielte Zahnextraktionen steuernd in den Zahnwechsel eingegriffen hatten.

Zurück in Dornfeld, konnten wir die letzten drei Tage, endlich mit Absauganlage arbeiten. Der Hauselektriker hatte sie zwischenzeitlich repariert. Dafür löste sich auf einmal die Arbeitsleuchte vom Schwenkarm und baumelte an den Kabeln über dem kleinen Patienten. Mit einer Extraktionszange konnte sie wieder angeschraubt werden. Mit der selben Zange bekam ich auch den Schlauchanschluss des Zahnsteinentfernungs-Gerätes dicht, sodass mir nicht mehr dauernd das Kühlwasser in den Ärmel spritzte.

Ein Behandlungsfall hatte uns besondere Freude gemacht:  Ein junger Mann hat-te sich einen unteren Schneidezahn abgebrochen. In die endodontisch versorgte Wurzel klebte ich zunächst mit Glasionomerzement das schartige, hoffentlich nichttrostende, Arbeitsende einer Lindemannfräse ein. Aus einem gerade noch knetbaren, (hitze-) überlagerten Kompositrest und Adhäsiv mischte ich mir eine pastenartige Masse zusammen, welche ich mit Säureätztechnik dann um die Lindemannfräse herum zu einem Zahn aufbaute. Nun konnte Alex wieder lachen.

Sonntagabend und Montagmorgen galten Sortier- und Verpackungsarbeiten. Listen wurden geschrieben, Behälter beschriftet, Gebrauchsanweisungen erstellt. Die hitzeempfindlichen Materialien wurden extra verpackt, um sie von nunan in der Kühlanlage der Schwesternkantine einzulagern. Die Speiseeis-Behälter mit Deckel, welche uns Schwester Elisabeth schon am ersten Arbeitstag schweren Herzens nur „geborgt“ hatte, gingen nun endgültig in den Besitz der Zahnstation über. Endlich gibt es genügend Behälter, um alle Instrumente staubfrei in den Schubkästen eines Schreibtischcontainers zu lagern.

Schwester Domenika hatte von uns erfahren,

dass wir durch die Ausgabe von Zahnhygienearti-

keln das Thema Prophylaxe eingebracht hatten, und so bat sie mich, einen Vortrag vor den Erzie-hern zu halten. Mit holperigem Englisch, aber umso verständlicheren Kreidezeichnungen an der Schultafel, hatte ich aufgezeigt, wie der Countdown des Gebisses verhindert werden kann, und welche Rolle hierbei die Ernährung, der Speichel und die Mundhygiene spielen.

Den Montagnachmittag konnten wir endlich mal in der „Westernstadt“ Gobabis verbringen. Nach dem Abendessen in Dornfeld wurden wir in den Speisesaal gebeten, wo uns alle Kinder verabschiedeten. Zwei Jugendliche überreichten uns ganz liebe Abschiedsgeschenke und ein mehrstimmiger Gesang aus tausend Kinderkehlen brachte uns vor lauter Rührung fast aus der Fassung. Als ich nach meinen Abschiedsworten den Heimleiter Sylvester umarmte, tobte der Saal.

 


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Afrodent e.V. ist ein gemeinnütziger Verein, getragen von z. Zt. 12 Mitgliedern.
Unser Bemühen ist es alljährlich zwei Behandlerteams zu obengenannten drei Missionsstationen zu schicken. Aufgrund der unbedeutenden Mitgliederzahl sind wir auf Spendengelder und Sachspenden der Dentalindustrie und des Dentalhandels angewiesen.


Website überarbeitet und ergänzt am 19. Januar 2012

 

 

 


 
     

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